Die alte Kellerei im Südwesten Rumäniens war eine Ruine. Mit badischen Vorlieben und dem Ehrgeiz eines schwäbischen Kellermeisters hat es Baronin leana Kripp-Costinescu jedoch geschafft, einen traditionsreichen Familienbetrieb aus dem Domröschenschlaf wachzuküssen. Weinexperten sprechen bereits von einem neuen Stern am osteuropäischen Weinhimmel - dabei wollte die von der rumänischen Fürstenfamilie Stirbey abstammende Baronin, die zuletzt in Appenweier-Nesselried lebte, zunächst gar nicht zurück in ihre alte Heimat.
Baronin Ileana Kripp-Costinescu. Das klingt nicht schlecht. Den Nachnahmen ihrer Vorfahren kennt in Rumänien fast jeder: Prinz Barbu Alexandru Stirbey (1873 bis 1946) war in der Blütezeit Rumäniens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts engster Berater von König
Carol I. und König Ferdinand I. -- und mit Weingütern in der Walachei und der Region Moldau erfolgreich. Die edlen Tropfen wurden im Land. und an vielen europäischen Fürstenhöfen geschätzt. Seine Tochter Maria hatte am Erbe der Fürstenfamilie allerdings nur wenig Freude. Sie wurde 1949 enteignet, das Gut wurde fortan vom kommunistischen Staat bewirtschaftet. Dass ihre aus Rumänien geflüchtete Enkelin Ileana Kripp-Costinescu, die zwischenzeitlich in Frankreich und Deutschland lebte, im abgelegenen Weingut im rumänischen Dragasani seit 2001 das Sagen hat, hat sie auch einem österreichischen Juristen und leidenschaftlichen Freund edler Tropfen zu verdanken, in dessen Familientradition der Weinbau ebenfalls eine Rolle spielt: Baron Jakob Kripp. Der ehemalige Bankmitarbeiter und die 52-Jährige verliebten sich im Badischen, nachdem sie sich dort begegnet waren, weil sich die Schwestern des Barons und der Baronin kannten. Und sie haben es geschafft, dass der rumänische Staat den enteigneten Besitz zurückgab. Schon in ihrer ersten Ehe mit Michael Wolff Metternich zur Gracht spielte der Weinbau für Baronin Ileana eine Rolle. Im badischen Durbach wurde ein Weingut betrieben, das nach der Auswanderung des Gatten nach Afrika und dem Tod des Schwiegervaters schließlich den Besitzer wechselte.
„Wenn ich irgendwo badischen Wein bekommen kann, trinke ich ihn sehr gerne", sagt die Naturliebhaberin, die mit ihrem Mann zwischen Tirol und Rumänien pendelt. Als sie jüngst in einem Bukarester Einkaufsmarkt einen badischen Spätburgunder Weißherbst im Regal entdeckte, war das für sie so „wie wenn man alte Freunde sieht", berichtet sie lächelnd. Wenn sie mal wieder im Badischen unterwegs ist, trifft sie sich gerne mit alten Bekannten in Freiburg und Offenburg.
Dass rumänische Weine etwa aus Rebsorten wie der Königlichen Mädchentraube oder der Weihrauchtraube über die Grenzen des EU-Neulings Rumänien Beachtung finden, hat das Familienweingut einem schwäbischen Kellermeister zu verdanken. Oliver Bauer, Sohn des in Weinkreisen als streitbarer Winzer bekannten Robert Bauer aus Flein bei Heilbronn, hatte sich. eigentlich für einen Job im Weingut des Schwagers in Südtirol beworben. „Mehr aus Neugierde ist er zu uns gekommen, sah und siegte", erzählt die Baronin. Sie und ihr Mann lassen ihm bei der Arbeit freie Hand. Zu rund zwei. Dritteln werden in der von kalten Wintern und heißen Sommern geprägten Gegend Weißweine angebaut, der Rest besteht aus Rose- und Rotweinen.
Redaktion: Bernd Kamleitner
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